
Die Kernidee meiner künstlerische Intervention besteht darin ein weißes analoges Display zu schaffen, das mit vergleichsweise minimalen Mitteln auf die örtlichen Gegebenheiten reagiert und diese miteinbezieht.
Dafür habe ich speziell ein graphisches Zeichensystem entwickelt, das mittels CNC Frästechnik direkt in die Plattenkonstruktion der Rückwand als Wandrelief bis zu 4mm eingeschrieben wurde.
Durch die Übertragung meiner diagrammatischen Zeichnung auf den Raster der Panele, entsteht so ein grossflächiger und vielschichtiger Raumplan, dessen Koordinaten sich zwischen den Begriffen Zeit, Klima, Erinnerung und Wahrnehmung aufspannen. Dadurch entsteht ein dichtes, dennoch für verschiedene Leserichtungen offenes Informationsnetzwerk sowie Erinnerungsspeicher. Der Begriff des Schattenspeichers ist der Informatik entlehnt und bezeichnet das Anlegen eines “unsichtbaren Speichers“ während eines Arbeitsprozesses. Das über die gesamte Länge der Wandfläche eingearbeitete Relief bildet dergestalt eine Art Raumsensorium, dessen Decodierbarkeit sich entlang der Wahrnehmbarkeitsschwelle bewegt.
Die, auf Grund der speziellen architektonischen Situation (Panoramafenster) sich ständig verändernden Lichtverhältnisse (Tageslicht/Kunstlicht) bestimmen essentiell die Lesbarkeit der Arbeit. Die RezipientInnen können sich ebenso durch das Wechseln der Position im Raum die Arbeit immer wieder neu erschliessen.
Concept and idea: Nikolaus Gansterer
Year: 2007
Location: NOE Forum, St. Poelten, Austria
Support: Katrin Petter/ Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich
CNC Programming: Matthias Meinharter
Routing: Tischlerteam Vienna
Der Wechselschattenspeicher _______________>>>_Download text
Text von Dr. Walter Seidl
Nikolaus Gansterers künstlerischer Ansatz setzt sich mit der Sprache der Zeichnung und ihrer Übersetzbarkeit in räumliche Verhältnisse auseinander. Grafische Grundstrukturen werden in ihrer Wechselwirkung mit dem Umraum untersucht, um die zweidimensionalen Formen in einer dreidimensionalen Dimension aufzubrechen. In seiner Installation Wechselschattenspeicher im NÖ Forum beschäftigt sich Gansterer mit den ephemeren Qualitäten des Mediums Zeichnung, das in seiner meist nicht-farbigen bzw. ins Auge stechenden Erscheinungsform stets aus der Nähe betrachtet werden muss um eine genauere Lesart zu ermöglichen. Um dieses Phänomen herum verdichtet sich die Installation, die aus einer gefrästen Zeichnung an der Innenfassade des NÖ-Forums besteht und je nach Licht- und Schatteneinfall den BetrachterInnen eine holistische Wahrnehmung nur aus mehreren, zeitlich nacheinander eingenommenen Positionen ermöglicht. Diese Unterschiedlichkeit der Licht und Standortposition führt in Folge zu differenzierten Lesarten der Zeichnung, die zu einer lebendigen Matrix wechselnder Momente der Realität mutiert.
Was für Gansterers Arbeitsansatz als wesentlich gilt, ist jene Konstruktion eines Netzwerkes an Information, das sich etwa in den zusammengefügten Elementen der Rasterung innerhalb der Zeichnung wieder findet. Der sprachliche und gedankliche Konnex zu einem Wechselplattenspieler ermöglicht es schließlich, bei Gansterers Wechselschattenspeicher unterschiedliche Sphären von Raum und Zeit hintereinander wahrzunehmen und Stück für Stück die Möglichkeiten der Wahrnehmung auszutesten, wie es auch beim Hören mehrer Platten der Fall ist. Dadurch entsteht jene für Gansterer wesentliche Verbindung zur Musik, die im Werk des Künstlers eine ebenso wichtige Rolle spielt und für eine multisensorische, d.h. visuelle und auditive Kunstwahrnehmung plädiert. Der Schatten-Lichtraum wird in der für seine Erfahrung notwendigen zeitlichen Bedingtheit daher zu einem klanglichen Resonanzraum, der es erforderlich macht, Erinnerung zu speichern und in eine individuelle Lesbarkeit zu übertragen. (Walter Seidl)






