
Analogue-digital, inside-outside, image-reality, script-language, these are some of the central reference points that the spatial installation "Die Synapsentankstelle/ The Synapsis Filling Station" refers to. At the imaginative peripheries of these pairs of concept, a research station is established, to survey the field, to scan it, to map it out.
From this point a test arrangement is constructed, which utelises scientific as well as artistic methods. Sound is tested as a material, signs are distilled from text and fragile networks are transferred into the space, so as to combine them into vertices of an associative co-ordinate system.
Neither exact measurement results, nor detailed diagrams offer guidelines. What’s more, the aim is to question prevalent scientific models and to generate unexpected new linkages.
Concept & Realisation: Nikolaus Gansterer
Year: 2002
Material/Technique: mixed media
Dimensions: variable
Exhibited at Synapsentankstelle, Gallery 5020, Salzburg, Austria
Willkommen in der „Synapsentankstelle“ (2003) _______________>>>_Download text
Eröffnungsrede von Vitus Weh zur Ausstellung von Nikolaus Gansterer in der Galerie 5020 Salzburg, den 12.11.2003
Falls Sie nicht wissen, was eine „Synapsentankstelle“ genau ist: Im Grunde ist jede gute Kunstausstellung, d.h. eine, die das Denken und die Kommunikation anregt, eine „Synapsentankstelle“. Denn Synapsen sind jene winzig kleinen Kupplungsstellen im Gehirn, über die alle unsere Denkprozesse abgewickelt werden. Und wenn Kunstausstellungen gut sind, dann rauschen wahre Transmitter-Fluten über diese Brückenköpfe der Wahrnehmung hinweg. Insofern hoffe ich, dass in dieser Ausstellung von Nikolaus Gansterer Ihre persönlichen Batterien kunstvoll neu geladen, ihre Transmitterreserven aufgetankt und die Aktionspotentiale Ihrer Synapsen ordentlich getestet werden.
Neben dieser allgemeingültigen Bedeutung hat „Synapsentankstelle“ auch einen gewollt technoiden Befremdungs-Effekt. Der Titel bereitet damit gut vor auf das in der Ausstellung konkret zu sehende: Alles in allem sehr befremdliche Dinge. Da gibt es zwei Styropor-Boxen mit Batterien darunter, eine Plateaulandschaft mit Sozialkonstellationen aus kleinen Figuren sowie eine ganze Wand mit empfindlich verspannten Gummiringerln und Zündköpfen. Die Situation vor Ort ähnelt mehr einem verlassenen Labor als einer konventionellen Kunstausstellung. Auch die Zeichnungen an den Wänden erinnern in ihrer Sprödigkeit und schwarz/weiß-Ästhetik eher an wissenschaftliche Illustrationen. Mit ihrer Feinheit und Beschriftung changieren sie zwischen soziologischen Karten, Tabellen mit Meßergebnissen und technischen Konstruktionszeichnungen. Nun sind die Installationen und Zeichnungen von Nikolaus Gansterer natürlich mehr assoziativ als wissenschaftlich streng und exakt, mehr ironisch als ernst. Vor allem aber sind sie nicht auf ein verwertbares Resultat ausgerichtet, sondern modellhaft. Die Modelle, die Nikolaus Gansterer uns hier zu Verfügung stellt, erlauben ein Durchexerzieren der heute gültigen wissenschaflichen Weltsicht. Und die sieht bei weitem nicht so bunt und saftig aus wie expressive Malerei, sondern eher „dünn“ und „durchscheinend“.
Diese „diagrammatische“ Sicht auf die Welt ist im wesentlichen eine Entdeckung des frühen 19. Jahrhunderts. Bereits damals begann sich die Greifbarkeit der Dinge zusehens zu verlieren: Je näher man sie mit analytischem Blick betrachtete, umso mehr begannen die Dinge substanziell zu schwinden. Paradigmatisch beschrieb der Neu-Kantianer Ernst Cassirer diesen Befund 1910 in seinem Buch Substanzbegriff und Funktionsbegriff. Seine These: "All unser Wissen, so vollendet es in sich selbst sein mag, liefert uns niemals die Gegenstände selbst, sondern nur Zeichen von ihnen und ihren wechselseitigen Beziehungen".
Cassirers philosophische Abhandlung reagierte damals auf die neuesten Überlegungen in der Naturwissenschaft. Der Experimentalphysiker Hermann von Helmholtz hatte den neuen Denkstil bereits um 1890 wie folgt formuliert: "Jede Eigenschaft oder Qualität eines Dinges ist in Wirklichkeit nichts anderes, als die Fähigkeit derselben, auf andere Dinge gewisse Wirkungen auszuüben. [...] Wenn aber, was wir Eigenschaft nennen, immer eine Beziehung zwischen zwei Dingen betrifft, so kann eine solche Wirkung natürlich nie allein von der Natur des einen Wirkenden abhängen, sondern sie besteht überhaupt nur in Beziehung auf und hängt ab von der Natur eines zweiten, auf welche gewirkt wird."
Unter wissenschaftlicher Perspektive lösten sich die Realitäten also auf in Bezugs- und Vektorensysteme ihrer Zwischenräume. Alles war plötzlich nur noch "Funktion". Während dem alltäglichen Eindruck die Objekte noch unkompliziert und substanziell erschienen, trat für die naturwissenschaftliche Erfahrung – und gleiches gilt seitdem für die Philosophie, Psychologie, Soziologie, Sprachwissenschaft usw. – an die Stelle der Identität die Relation. Oder – um es wieder mit dem Wort von Nikolaus Gansterer zu benennen: An die Stelle des Gehirns trat die Synapsentankstelle.












